Ihre lieben Zeilen vom 8. Aug. kann ich erst heute beantworten und Ihnen sagen, dass mir Ihr Andenken sehr teuer und wert ist. Wie gerne möchte ich manchmal in die Windmühlengasse kommen und Sie besuchen, wenn es nicht gar so weit wäre und Leipzig für mich kein verbotener Ort wäre. Wir Zwei haben etwas Ähnliches miteinander: Sie können1) und ich darf nicht überall hin, darum wollen wir uns mit einander trösten Sie sich mit mir, und ich mich mit Ihnen. Wir leben doch dem HErrn, der Alles liebt und Alles belebt. Und wenn man den Gedanken fassen kann: „In Ihm leben, weben und sind wir, denn Er ist nicht ferne von einem Jeden aus uns“, so ist man überall daheim, überall gerne, in der Windmühlengasse und am Riesengebirge.
Sie klagen über Herzenskälte und Trockenheit, dafür ist ein leichtes und sehr nahes Mittel. Wenn's kalt ist, heizt man ein, wenn's trocken ist, schöpft man Wasser, oder wäscht sich im Morgentau; da werden die welken Pflanzen wieder frisch und stehn wie sich ein alter Gärtner ausdrückte wie Hirschen. Der Mann, der Feuer in die Herzen wirft, und gerne wirft, und Tau aufs Trockene fallen lässt, ist ja, wie gesagt, nicht ferne und tut es gern. Es kostet Ihn auch keine Mühe, nur uns kostet es manchmal Mühe, Ihn zu erreichen, aber die müssen wir uns nicht verdrießen lassen, denn sie lohnt sich.
Grüßen Sie Mag. H., mit Teilnahme hörte ich seine Krankheit und die Zurücksetzung des lieben G. Da konnten sie nun nicht sagen: warum ist er nicht übergetreten? Da heißt es: Warum ist er übergetreten zu den Schwärmern?
Dr. V. bitte ebenfalls mich zu empfehlen; ich gedenke seiner mit inniger Liebe, weil er liebenswürdig ist. Ich möchte ihm gern schreiben, aber noch lieber ihn besuchen und mit ihm reden können. Der HErr segne Ihn, er hat meinetwegen auch Unannehmlichkeiten gehabt, was mir sehr leid tat. Er hat für einen schlechten Menschen gut gesagt, den man zur Stadt hinaus bannen musste. Das ist keine Ehre vor der Welt. Der HErr aber schreibe es ihm an auf jenen Tag und ich bin voll Zuversicht, Er wird's tun. Der 6. Aug. im Schatzkästchen tat auch mir wohl. Dr. D. wird heute hier erwartet; das stößt freilich überall an, aber er fühlt die Anstöße nicht, und damit sie mir nicht wehe tun und schaden, will ich mich auch nicht stoßen.
Mein respektabler Wirt dankt für Ihren Gruß, empfiehlt sich entgegen, und bittet um Entschuldigung, dass er nicht schreiben kann; wenn Sie ihm aber schreiben, wird's ihn freuen, das weiß ich, denn er liebt Briefe. Ach möchte ich doch Ihre Tochter und Tochtermann, die lieben L's. nicht nur grüßen, sondern sehen und sprechen können! Da aber Letzteres nicht sein kann, so tun Sie in meinem Namen Ersteres recht herzlich. Es gehe Euch Allen wohl bei einander! Das ist mein Wunsch, Gott segne. Das Blatt ist voll, und das Herz noch nicht leer, darum gebe Gott, was noch drin ist: Gnade und Friede.
Ihr Gossner.